Internationale Aktion gegen die Beschneidung von Mädchen und Frauen

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Abgeschlossene Projekte


Leider haben wir in folgenden Ländern derzeit keine laufenden Projekte.

Hier jedoch ein Überblick über die (I)NTACT-Aktivitäten, die dort in den vergangenen Jahren stattgefunden haben:

 

GUINEA

Aufklärung als Dialog

Alternative Zeremonien ersetzen das traditionelle Beschneidungsritual

„Die Kinder schwänzen die Schule, machen Party am Fluss, trinken und rauchen.“
„Die Eltern sollten einschreiten und ihren Erziehungspflichten nachkommen.“
„Unsere Eltern sollten doch auch Vorbilder für uns sein, aber unsere Mütter haben gar keine Zeit mehr, sich um die Kinder zu kümmern.“

Solche Sätze kennen wir alle hierzulande. Doch: diese Zitate stammen von Eltern und Kindern aus Guinea. Sind Generationenkonflikt und Werteverlust ein globales Phänomen?!

Mit dem Schweigen zwischen den Generationen und dem gegenseitigen Unverständnis soll jetzt Schluss sein. Die sechs (I)NTACT-Partnerorganisationen in Guinea stoßen mit ihren „Generationendialogen“ sowohl in der Stadt wie auf dem Land auf großes Interesse. Die Jugendlichen und ihre Eltern und oft auch die Großeltern sind dankbar, dass jemand die Themen anspricht, über die es sich so schwer reden lässt – Sexualität, ungewollte Schwangerschaften, arrangierte Heirat, Unzufriedenheit mit der Schwiegermutter ... Besonderen Zündstoff bietet immer das Thema Beschneidung. In Anbetracht des sozialen Wandels und neuer Lebensentwürfe sehen vor allem die Mädchen keinen Sinn mehr in der Beschneidung und begehren auf. Doch auch die Älteren erkennen zunehmend, dass die Zeiten sich wandeln und das Klammern an alte Traditionen wie die Beschneidung keine Lösungen bietet für die heutigen Probleme. Und diese Einsicht, dass Beschneidung nicht mehr zeitgemäß ist, ist ein wichtiger Schritt, um sie wirklich aufgeben zu können. Denn Aufklärung über Beschneidung reicht in Guinea nicht aus, die Tradition wiegt oft noch schwerer als das Wissen um die gesundheitlichen Folgen des Eingriffs.

In den Projekten der (I)NTACT-Partnerorganisationen haben Hunderte Ältere und Jüngere, Mädchen und Frauen, Jungen und Männer, an den Dialogen teilgenommen. Mit anderen Projektaktivitäten sprachen unsere Partner vor allem traditionelle Führer, Geistliche oder medizinisches Personal an. Insgesamt ein „Methoden-Mix“, mit dem alle relevanten Gruppen in der Bevölkerung erreicht wurden. 

 

MALI

(I)NTACT Partnerorganisation geht mit gutem Beispiel voran

Auch Beschneiderinnen wurden durch die Projekte angesprochen

Die (I)NTACT-Partnerorganisation in Mali, AMPDR (Association Malienne Pour le Développement Rural), geht mit gutem Beispiel voran.
Sozialarbeiterinnen haben intensiv mit allen Beteiligten in Dörfern der Region Koulikoro gearbeitet, haben einzeln und in Gruppen aufgeklärt und diskutiert, dorfübergreifende Verständigungsgespräche initiiert, Videovorführungen im Dorf organisiert und Radiosendungen gemacht. So haben sie nicht nur das Vertrauen der Bevölkerung errungen, sondern auch bei den Beschneiderinnen. Viele von ihnen haben sich registrieren lassen und sind zur Aufgabe ihres Metiers bereit. 

ANI-Mali steht noch am Anfang mit ihren Aufklärungsbemühungen. In den zehn Pilotdörfern ist den Sozialarbeiterinnen vor allem eines gelungen: die Frauen sprechen jetzt offen über Beschneidung und andere Fragen der reproduktiven Gesundheit. Und dies ist für ANI-Mali ein riesengroßer Erfolg und Vertrauensbeweis, denn in einem sehr islamisch geprägten Land wie Mali ist Sexualität nach wie vor ein Tabu-Thema.

 

 

SIERRA LEONE

Tabu um Genitalverstümmelung wird gebrochen

Abdul Sankoh befürwortet die Beschneidung nicht. Er will seine Töchter davor bewahren.

Wer in Sierra Leone etwas gegen Genitalverstümmelung unternehmen will, braucht viel Mut und Hartnäckigkeit. Landesweit sind nach wie vor 90% aller Frauen beschnitten. Nach mehr als 10 Jahren Bürgerkrieg erholt sich das Land langsam, die Menschen haben einen ungeheuren Aufbauwillen.

Doch im täglichen Kampf ums Überleben gehört die Frage nach der Beschneidung für die allermeisten nicht gerade zu den vorrangigen Problemen.

Doch das sieht KAWDA (Katanya Women’s Development Association) anders.  Im Februar 2004 veranstaltete KAWDA mit (I)NTACT-Finanzierung in Freetown ein Seminar, in dem es darum ging, Verbündete im Kampf gegen Beschneidung zu finden und die Mitglieder der Frauenorganisation fortzubilden. Die große Resonanz in den nationalen Medien war erstaunlich. So beflügelt, führte KAWDA ein Pilotprojekt in einigen Vororten von Freetown durch. Aufklärer und Aufklärerinnen wurden ausgebildet, Materialien entwickelt, traditionelle und religiöse Führer sensibilisiert, in Schulen und übers Radio wurde Aufklärung betrieben. Das erste Ziel wurde auf jeden Fall erreicht: KAWDA kann öffentlich über Beschneidung sprechen.

 

 

TANSANIA

Schüler im Kampf gegen Genitalverstümmelung mobilisiert

“Die Menschen ändern dann ihr Verhalten, wenn sie die Risiken und Unwürdigkeit von traditionellen Praktiken einsehen, und wenn sie begreifen, dass sie bestimmte Bräuche aufgeben können, ohne dabei gleichzeitig bedeutungsvolle Aspekte ihrer Kultur aufzugeben.“

An diesem gemeinsam formulierten Leitgedanken von WHO, UNICEF und UNFPA orientierte sich die Arbeit von NAFGEM, (I)NTACT- Partnerorganisation in Tansania. Die Menschen sollen überzeugt, nicht gezwungen werden. Deshalb legt NAFGEM höchsten Wert auf Aufklärungs- und Informationsarbeit bei den Menschen direkt vor Ort. Sie macht auch vor den höchsten Gremien, den traditionellen Führern der Massai, nicht halt.

Die durchschnittliche Beschneidungsrate liegt in Tansania bei 18 %. Bei den Massai, einem für seinen Traditionsreichtum bekannten Volk, liegt sie jedoch bei geschätzten 99 %. Gerade bei den Massai wurde Beschneidungsbekämpfung noch bis vor kurzem als unmöglich, ja sogar als zu gefährlich eingestuft. Um so größer die Errungenschaft von NAFGEM, der es in 2003 gelang die Unterstützung der obersten Massai Chefs für ihre Anti-Beschneidungs-Kampagne an der Basis zu erlangen.

Konzentriert haben sich die Aktionen von NAFGEM in 2004 auf die Sensibilisierung und Mobilisierung von Kindern und Jugendlichen. Nach der Teilnahme von NAFGEM und seinen Mitarbeitern und Mitgliedern an Fortbildungen zum Thema Kinderrechte konnten Aufklärungsprogramme an Schulen konzipiert werden. In diesen Programmen wurden Schülerinnen und Schüler – als Gruppe der potentiellen Opfer von Genitalverstümmelung – darin unterstützt, sich zu organisieren, sich öffentlich gegen die Beschneidung zu äußern und von Eltern und Staat den Schutz ihres Grundrechts auf körperliche Unversehrtheit und Menschenwürde einzufordern. 1250 Schülerinnen und Schüler nahmen an solchen Kundgebungen teil und schafften in der Öffentlichkeit ein Bewusstsein dafür, dass es in der Debatte um Genitalverstümmelung nicht nur um Fragen der Gesundheit von Frauen und Mädchen geht, um die sich Mediziner kümmern, sondern dass diese Praxis noch grundsätzlichere Fragen der Menschenrechte und Menschenwürde aufwirft, die jeden angehen.

 

 

TSCHAD

Grundstein für die Beschneidungsbekämpfung gelegt

Mit einer ersten (I)NTACT Finanzierung hatte die Partnerorganisation ACDIDH im Jahr 2003 zunächst einmal 20 ihrer Mitglieder zu ehrenamtlichen Dorfaufklärern fortgebildet, die dann in der Lage waren, Aufklärung in den Projektregionen N’Djamena und Sarh, also rund um die Hauptstadt und im Süden des Landes, durchzuführen.
Ab 2004 wurde die Projektstrategie von ACDIDH neu ausgerichtet: Statt nur mit ehrenamtlichen, arbeitete ACDIDH nun auch mit fest angestellten, vollzeit verfügbaren Animateuren.
Dadurch wurde die Durchführung von Porte-à-Porte (von Tür-zu-Tür) Aufklärung und eine dauerhafte Präsenz in den Dörfern erst möglich. Nicht nur ist eine derartige Intensivierung der Aufklärungsarbeit aller Erfahrung nach ein wichtiges Element, um festgefahrene Überzeugungen an der Basis zu ändern. Fachleute halten eine dauerhafte Präsenz in Dörfern auch deshalb für dringend nötig, weil sie befürchten, dass das gesetzliche Beschneidungsverbot, das es im Tschad seit 2003 gibt, die Ausübung der Beschneidung nicht beenden, sondern in die Heimlichkeit abdrängen wird.

Aus diesen Gründen wurde die institutionelle und personelle Präsenz in den Interventionsgebieten mit der Hilfe von (I)NTACT im Jahr 2004 gestärkt. Vier hauptamtliche Dorfanimateure haben in insgesamt 36 Dörfern Porte-à-Porte Aufklärung gemacht und auch Video- und Theatervorführungen mit anschließender öffentlicher Diskussion für die gesamte Dorfbevölkerung organisiert. Unterstützt wurden sie von einem hauptamtlichen Koordinator und den Verantwortlichen von  ACDIDH.

Der Grundstein der Aktivitäten im Tschad wurde also mit (I)NTACTs Unterstützung gelegt.